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Alles Luther – oder was?

So könnte man mit leichtem Schmunzeln die Bemühungen in und um die Evangelisch Lutherische Kirche in diesem Jahr 2017 wohl gerne kommentieren. Oder anders ausgedrückt: Es 'Luthert' all überall.
Gleich vorneweg aber: Dürfen wir das nicht auch?
Typisch für uns Evangelische: Es wird schon wie-der gemeckert. Obige Aussagen werden nicht nur schmunzelnd sondern zum Teil  bissig und abwertend gebraucht. Fast so, als sollten wir uns schämen, so ein Tamtam aus dem Reforma-tionsjubiläum zu machen.
Ich sag's Ihnen aber frei heraus: Ich steh' dazu. 500 Jahre Reformation, das darf doch ein Grund sein zum Feiern, zum Bedenken, zum Stolz sein. Wir haben den weiblichen und männlichen Reformatoren viel zu verdanken. Allen voran na-türlich Katharina und Martin Luther. Doch seien auch die vielen Mitstreiter nicht vergessen, die danach suchten und trachteten, den Glauben an Jesus Christus unverfälscht und lebensstärkend herauszustellen. Die ist doch der Kern dessen, warum wir die Re-formation überhaupt als Jubiläum feiern: Weil wir uns erinnern bzw. verinnerlichen wollen, dass es darum auch heute geht: Dass wir mit-einander fragen und suchen, wie wir unseren Glauben so leben, dass dabei Jesus Christus und seine froh und heil machende Botschaft im Zen-trum steht.
Freilich steht dabei heute nicht mehr die Ab-grenzung zur Katholischen Kirche im Vorder-grund. Denn diese hat sich ja auch erneuert. Vielmehr geht es darum, im geschwisterlichen Miteinander der Welt ein Zeugnis zu geben vom lebensbejahenden Gott. Und freilich wollen wir mit den vielfältigen Aktivi-täten rund um die Reformation weder Heiligenle-genden über Martin Luther noch seine Verehrung als Heiliger vorantreiben. Es tut schon ganz gut in ihm, bei all seinen Verdiensten, doch immer wieder auch den fehlbaren Menschen Martin Luther in seiner Zeit zu sehen.
Solches erleben wir gerade in unserer Ehin-ger Theatergruppe. Beim Einstudieren des „Katharinentag“ geraten wir immer wieder an Themen wie „Leben im Angesicht des Todes“ (dort die Pest, heute die allgegenwärtige Terrorgefahr) oder „Kampf für Gerechtigkeit“ ( dort z.B. die Bau-ernkriege, heute die Situation in der Einen Welt und Migrationsgründe) sowie auch die Frage nach „dem rechten Weg des Glaubens“ (dort z.B. die Täu-ferbewegung, heute: das eine Bekenntnis in unter-schiedlichen Konfessionen…).
Als Pfarrer bin ich sehr beglückt, wenn unsere Theaterproben uns auch dazu führen, dass wir theolo-gisieren und unser Leben heute mit den Fragen der Reformation in Berührung bringen.
Bei uns in Ehingen geschieht solche Auseinander-setzung (auch) bei den Proben eines Theaterstückes.  Bei Ihnen zuhause in Ihren Kirchengemein-den gibt es wieder andere Möglichkeiten. Nutzen Sie diese. Nehmen Sie sich Zeit dafür, überwinden Sie innere Scheu und tauchen Sie vielleicht grade mal dort auf, wo man Sie gar nicht vermutet hätte. Es tut Ihnen und uns anderen gut.
In den nächsten Wochen haben Sie neben dem Reformationsjubiläum noch einen weiteren Grund dafür: Die Passionszeit lädt wie jedes Jahr zu einem 'inneren Weg' ein. Katharina von Bora, die mit ihren Mitschwestern in der Nacht vor Ostern aus dem Kloster von Nimbschen in die Freiheit gefl ohen ist, hat dies später als ihre eigene Auferstehung erlebt. Vielleicht gelingt es Ihnen ja auch, die Passionszeit dazu zu nützen, aus einer 'inneren Enge oder Ver-engung zu fliehen', so dass Ostern eine ganz neue Perspektive für Sie bekommen kann…
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen einen segensreichen, befreienden Weg auf Ostern zu und viele gute Erfahrungen mit den Ideen der Reformation.

alles luther1
Herzlich, Ihr Ehinger Pfarrer
Walter Huber