22. November 2015 Von Rainer Schülein 0

Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge …

roedkingen

… mit diesem einfachen Satz erzählt der Evangelist
Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte die
bedrängte Wohnsituation der Heiligen Familie
in Bethlehem: Maria wickelte ihr Kind in Windeln
und legte es in eine Krippe, denn sie hatten
sonst keinen Raum in der Herberge (Lukas 2, 7).
Vorausgegangen war der lange Weg von Nazareth
bis Bethlehem. Die beiden hatten ihn sich
nicht ausgesucht, sie waren einfach in die Mühlen
der großen Politik geraten.
Die Tradition hat daraus ein Krippenspiel gemacht,
bei dem Maria und Josef jeden Heiligen
Abend neu von einem Hotel bis zum nächsten
Wirtshaus gehen, um endlich eine Unterkunft
zu finden. Der böse Wirt, der Maria und Josef abweist,
ist fast schon sprichwörtlich geworden. Ja
manche sind sogar überzeugt, dass von diesem
Wirt in der Bibel tatsächlich die Rede ist, so oft
haben sie die Geschichte von ihm schon gehört.
Und am Heiligen Abend wird auch in diesem
Jahr das Mitleid mit Maria und Josef groß sein:
Wir Menschen heute hätten sie natürlich herein
gelassen und ihnen am Heiligen Abend unter
unserem Christbaum einen Platz angeboten.
Für das Kind hätten wir selbstverständlich über
den Notruf einen Kinderarzt für die „U 1“ organisiert
und dann ein anständiges Kinderbettchen
aufgestellt – oder ?
Zu Weihnachten sind sie wieder unterwegs: Die
vielen Marias und Josefs, die durch die Mühlen
der großen Politik gedreht werden. Dazu unbegleitete
Kinder, die die Not am härtesten spüren.
Eine Geschichte, die nicht nur zu Weihnachten
aktuell ist, sondern uns täglich in Zeitungen, Radio
und Fernsehen begegnet.
In Röckingen haben drei Familien Herberge gefunden.
Eine aus Syrien, eine aus der Ukraine, eine
aus dem Kosovo. Und jede Familie hat ihre eigene
Geschichte, in der auch die große Politik eine Rolle
spielt. Jede Familie hat auch eigene Bezugspersonen
im Dorf, die sich besonders für sie einsetzen.
Damit verbunden sind ganz schwierige Fragen
und Probleme, für die wir alle keine schnellen Lösungen
wissen, die wir aber nur miteinander und
nicht gegeneinander lösen können.
Ein kleines Mädchen hat in Röckingen dem Elend
der Menschen ein Gesicht gegeben. Mit einem
Klumpfuß geboren, haben die heimischen Ärzte
nur die Möglichkeit einer Amputation gesehen.
Doch seine Eltern haben den weiten Weg auf sich
genommen und alles zu Hause zurück gelassen.
Ihr Ziel war Deutschland in dem Wissen, dass
hier eine Operation helfen kann. In den Medien
werden diese Menschen Wirtschaftsflüchtlinge
genannt. Sie werden nach kurzer Zeit wieder ausgewiesen.
Die Operation wird in Deutschland auch von keiner
Krankenkasse, keinem Finanzamt, keinem
Sozialamt bezahlt. Die Familie wird wieder zurück
geschickt. Das Mädchen wurde trotzdem
operiert. Weil die Menschen in Röckingen das
Geld für die Kosten für der Operation gespendet
haben.
Wenn die Röckinger sagen: Wir schaffen das,
dann schaffen das andere sicher auch. Weil Röckingen
nur ein Beispiel ist für die vielen anderen
Menschen, die sich gerade auch aus christlicher
Überzeugung für andere Menschen einsetzen.
Der Stall von Bethlehem war für die Heilige Familie
nur Zwischenstation, auch wenn er jedes Jahr
zu Weihnachten nicht nur mit einem Krippenspiel
gefeiert wird. Danach ist die Familie wieder
nach Nazareth zurück gekehrt. Röckingen wird
für die Familie auch nur Zwischenstation bleiben.
Aber die Operation bleibt für die Familie und für
die Dorfgemeinschaft jedes Jahr ein Fest. Und das
Kinderbettchen in guter Erinnerung. Hier hat ein
Dorf einen Raum in der Herberge gegeben. So
kann es Weihnachten werden. mga