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Orthodxes Weihnachtsfest auf engstem Raum

Kam ein Kommissar, um seine Wehrfähigkeit
zu überprüfen. Und traurig erzählt Alla von fünf jungen Freunden, die „freiwillig“ in den
Krieg gingen. Sie sind jetzt alle tot. Wer den Kampfeinsatz verweigert, muss jedoch damit
rechnen, als Separatist oder gar Terrorist verhaftet zu werden. Viele sind von ihrer Arbeit
oder von Besorgungen nicht mehr zurück gekommen. Jeder Erwachsene überlegt in dieser
Situation sein Leben zu retten. Eltern aber dürfen nicht mehr überlegen, wenn sie das Leben
ihrer Kinder retten wollen: Sie müssen weg, nur weg! Fliehen! Aber wohin?
Der Tee ist inzwischen ausgetrunken, doch die Lebensgeschichten sind noch lange nicht erzählt.
In der kleinen Küche berichten die Ukrainer auch vom Treffpunkt für Asylbewerber über
dem Dekanat in der Oettinger Straße. Dort treffen sie neben vielen anderen Nationen auch
zwei weitere Familien aus Lugansk in der Ukraine, die ein ganz ähnliches Schicksal haben:
Auch Alexander sollte „freiwillig“ unterschreiben. Einige Zeit konnte er sich bei seiner Mutter
anderenorts verstecken. Dort wurde sein Kind in der Schule geschlagen, weil ihm unterstellt
wurde, dass er Separatist sei. In der Ukraine hatte er ein Fuhrunternehmen, dessen LKW in
friedlichen Zeiten zwischen Rußland und der Ukraine verkehrt sind. Er hat mit dem Krieg alles
verloren. Fast alles, denn seine Familie konnte er retten.
Auch Tonja weiß, warum sie geflohen ist. Sie erzählt von bezahlten Demonstranten, die die
politische Meinung bilden sollen. Ihre Kinder mussten in die Schule gehen, doch versteckte
Scharfschützen haben das Leben lebensgefährlich gemacht. Auf dem Kinderspielplatz ist eine
Bombe explodiert, viele Mütter mit Kindern waren dort, zehn waren tot. Zwei Monate gab
es keinen Strom und kein Wasser in der Stadt.
Zwar ist sie mit ihren beiden Kindern geflohen, doch ihre Eltern musste sie zurück lassen. Neben
deren Haus ist ein Altenheim, das einen Volltreffer bekommen hat. Viele waren tot. Ihre
Eltern leben noch. Noch. Auf ihrer Flucht war sie etwa ein Jahr in der West-Ukraine, doch musste
sie auch von dort wieder weg. Es ist still. Es ist November. Kalt. Die Blätter fallen.
Es nieselt. Eine Stimmung von Volkstrauertag und Totensonntag.
Doch dann wird die Asylbewerberin noch einmal sehr persönlich: Früher war ich wenig religiös,
doch heute habe ich meinen Glauben gefunden. Vor allem, weil wir in Wassertrüdingen Christen
getroffen haben, die ihren Glauben leben. Unsere Stadt Lugansk kann uns nicht mehr
brauchen, aber hier in Deutschland schaut man auf die Menschen. Auch die anderen stimmen
zu: Ja, wir lieben unsere Heimat Ukraine. Aber wir sind dankbar, dass wir jetzt hier sein können.
Wie lange? Das Verfahren um ihre Asylanträge ist noch nicht fertig. Alles ist noch offen.
Alle hoffen. Alle Erwachsenen würden lieber heute als morgen eine Arbeit beginnen.
Bald ist Weihnachten. Die russisch-orthodoxen Christen beginnen die Feierlichkeiten meist mit
dem Jahreswechsel. Viele fasten vorher, doch dann wird großzügig gekocht. Am 6. Januar
ist ihr orthodoxes Weihnachtsfest. Man feiert es ruhig, möglichst mit der Familie. Alle freuen
sich schon darauf. Sieben Personen auf 75 qm. Und wie sehen das die anderen Hausbewohner?
Der Hausverwalter lächelt entspannt. Dass das so gut klappt, hätte vorher keiner
gedacht. Wir bekommen gar nicht mit, dass da so viele in einer Wohnung sind, so leise
sind die! Erste Kontakte hat es schon längst gegeben. Und einige engagieren sich auch:
Können wir euch helfen? Ja, schon ein freundliches Lächeln im Treppenhaus macht uns Mut.
спасибо! Sspaßíba!
mga

Dreikönigskonzert
am 6. Januar 2017, 17.00 Uhr
Stadtkirche Wassertrüdingen
Die Wörnitzrussen und der Posaunenchor aus WTR, das Essemble "sing(a)
mol", sowie der Jugendchor Röckingen und der Kleine Chor aus Ehingen
musizieren zugunsten des Arbeitskreises Asyl.
Der Eintritt ist frei!