16. März 2016 Von Rainer Schülein 0

Mehr als nur eine Farbe…

Nach anfänglicher Kritik in der Phase des Planens und Renovierens erhalten wir nun

erfreulicherweise viel Lob für wesentliche Teile unserer neu renovierten St. Jakobus-

Kirche in Ehingen. Viele erkennen dabei und staunen: Das

„Stierblut-Rot, welches in der „alten Kirche“ ganz oft auftaucht, wie z.B. in den

Emporenmalereien oder auch an den Säulen, dieses Rot findet sich wieder an drei

markanten Stellen der Kirche: Im neuen Altar, im neuen Vortragekreuz

und am Sakristeifenster. Manche vermuten daher, dass sich dahinter eine Idee verbirgt

und sie haben recht. Lange und gründlich haben wir uns im

Kirchenvorstand zusammen mit der Steinmetzmeisterin Birgit Hähnlein-Häberlein

aus Feuchtwangen mit der Form und der Bedeutung des neuen Altares

auseinandergesetzt. Dieser ist nun das Ergebnis eines Prozesses über ein Jahr hinweg:

Viele Gespräche, Stille, Beten, Hören, Fragen, Bedenken ergaben:

Der Altar ist durchzogen von einem Kreuz das sich regelrecht durch diesen durch schiebt.

Wenn wir nun dort zum Abendmahl einladen und in der heutigen Zeit damit eher den

Gemeinschafts- und Festcharakter betonen, so lässt sich das Kreuz nicht verleugnen.

Das Kreuz als Symbol für Leid und Schuld, für Not und Pein, aber auch für Erlösung.

Erlösung durch die Konsequenz Gottes: Seine Liebe. Diese wird deutlich in der roten

Kerbe an der Vorderseite des Altares im durchgeschobenen Kreuz. Wer genau hinschaut

erkennt: Die Kerbe geht oben, rechts und links bis knapp an den Rand, im unteren Bereich

jedoch fließt sie und damit die Farbe Rot in den Boden hinein.

Die Deutung: So ist die Liebe Gottes – sie 'geht' bis an den Rand dessen, was wir uns

vorstellen können, aber sie fließt ein in unsere Tiefen. Dort, wo wir leiden und schuldig

geworden sind, dort wo wir in der Tiefe versinken, dort begegnet uns Gott mit seiner

Liebe und zieht uns wieder hinauf, lädt uns ein zum Mahl der Gemeinschaft, der

Versöhnung und des Festes. Mit der Wiederholung dieser Symbolik im

Vortragekreuz und im Sakristei-Fenster wollen wir manifestieren: Diese Grundüberzeugung

unseres Glaubens, dass Gottes Liebe grenzenlos ist, dass wir in unserem Glauben

durchwoben und getragen sind von dieser Liebe, diese Überzeugung wollen wir auch

nach außen tragen. Oder um es mit Paulus zu sagen: Nichts kann uns trennen oder

scheiden von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus (Röm 8, 38)

Pfarrer Walter Huber, Ehingen mit Dambach

 ehingen1 ehingen2 ehingen3